Beim Erzgebirgsmeeting passt diesmal alles

Traumhafte Ergebnisse vor traumhafter Kulisse bei traumhaftem Wetter – so lässt sich das diesjährige Erzgebirgs-Meeting des LV 90 Erzgebirge zusammenfassen. Über dem Gelenauer Sportareal, wo reichlich 200 Leichtathleten aus fünf Bundesländern ihr Können zeigten, brauten sich anders als im Vorjahr diesmal keine dunklen Wolken zusammen. Stattdessen herrschte den ganzen Tag über praller Sonnenschein und spornte die Starter zu starken Leistungen an. Allen voran Christina Schwanitz, die mit 19,50 Metern eine europäische Jahresbestweite im Kugelstoßring aufstellte.

Europäische Bestmarke

„Es war ein geiles Ergebnis. Wir wurden vom Publikum aber auch super unterstützt“, sagte die frisch gebackene Mutter, die sich aus ihrer Babypause überraschend stark zurückgemeldet hat. „Ich selbst hatte es schon ein bisschen erwartet“, so die zweifache Europameisterin, die 2015 sogar Weltmeisterin geworden war. Diesen Erfolgen ging stets das Ritual voraus, den Zopf vor dem Stoß in eine bestimmte Position zu bringen. In Gelenau verzichtete die 32-Jährige auf das Richten ihrer Haare. „Es ist kein Muss mehr“, sagt sie: „Das mache ich nach Lust und Laune.“ Lockerheit scheint die neue Stärke von Christina Schwanitz zu sein, deren Comeback offenbar auch einer Vereinskollegin weiterhilft.

An EM-Norm gekratzt

Schließlich konnte in Gelenau auch Sarah Schmidt für Furore sorgen. Die 20-Jährige steigerte ihre Bestleistung mit der Kugel auf 17,39 Meter. „Ich bin froh, dass dieser Bann endlich gebrochen ist“, sagte die Wurf-Expertin des LV 90, die in den ersten beiden Wettkämpfen der Saison noch an der 17-Meter-Marke gescheitert war. „Da war ich noch verkrampft. Diesmal bin ich den Wettkampf total entspannt angegangen. Es war halt ein Heimspiel“, so ihr Kommentar. Freude pur war Sarah Schmidt anzumerken. Frust dagegen gar nicht, obwohl sie die Europameisterschaftsnorm nur um elf Zentimeter verpasst hatte – und damit auch einen Keks. Diesen hätte ihr Christina Schwanitz bei einem 17,50er-Stoß spendiert. „Mit solchen lustigen Wetten pushen wir uns gegenseitig – auch im Training“, erklärte Sarah Schmidt, die den kommenden Aufgaben nun selbstbewusst und optimistisch entgegenblickt.

Heimvorteil genutzt

Gleiches gilt für Steven Richter, der in Gelenau ein echtes Heimspiel erlebte. Schließlich fand das Erzgebirgsmeeting quasi vor seiner Haustür statt. Und im Beisein vieler Familienangehöriger holte der 15-Jährige Gelenauer alles aus sich heraus. Mit persönlichen Bestleistungen gewann er das Kugelstoßen (17,19 m), das Diskuswerfen (51,93 m) und den Weitsprung (5,80 m) der U 16. Groß war der Jubel vor allem im Kugelstoßring, denn nie zuvor hatte Steven die 17 Meter übertroffen. Doch das soll für ihn nur eine Zwischenstation sein. „Mein Ziel ist, noch dieses Jahr an die 18 Meter heranzukommen. Es ist ja noch etwas Zeit“, sagte der 1,92-Meter-Hüne auch mit Blick auf die Deutsche Meisterschaft, wo er gern eine Medaille gewinnen würde. Es wäre die Krönung einer beeindruckenden Rückkehr, denn im vergangenen Jahr hatte der Sportgymnasiast noch mit argen Verletzungssorgen zu kämpfen. Einem Beckenbruch folgte ein Ermüdungsbruch im Bein. Doch davon ist Steven Richter nichts mehr anzumerken.

Bühne für den Nachwuchs

Generell nutzte der LV-90-Nachwuchs das Erzgebirgsmeeting als willkommene Bühne, um vor den Augen zahlreicher Verwandter und Freunde aufzutrumpfen. So wie zum Beispiel Sarah-Michelle Leichsenring, die in der U 14 auftrumpfte. Sie dominierte unter anderem auf der Tartanbahn, wo sie den 75-Meter-Sprint (10,37 s) und über 60 Meter Hürden (10,17 s) gewann. Schon der Hürdensprint war eine knappe Angelegenheit, saß ihr Vereinskollegin Rosalie Weber doch dicht im Nacken. Noch dramatischer ging es allerdings im Weitsprung zu, wo es noch zwei andere Konkurrentinnen auf Augenhöhe gab. „Vor dem letzten Sprung lag ich noch auf Platz 2, aber dann konnte ich im letzten Versuch mit 4,94 Metern gewinnen“, berichtet die Siegerin strahlend. Ihr Triple war genauso wie die Würfe von Christina Schwanitz, Sarah Schmidt und Steven Richter einer von vielen Höhepunkten eines tollen Wettkampfes.

 

 

Christina Schwanitz meldet sich mit 19,39 Metern zurück

Ihre 15-monatige Babypause war Christina Schwanitz in keinster Weise anzumerken, als sie in Halle (Saale) bei einem Testwettkampf zur Kugel griff. In bewährter Manier ließ sie das Wurfgerät durch die Luft fliegen, sodass die Kugel erst nach 19,39 Metern wieder auf dem Boden landete. Auf Anhieb zurück in der Weltspitze – so lässt sich das beeindruckende Comeback kurz zusammenfassen. „In Europa ist sie damit die Nummer 1“, betont Trainer Sven Lang, der wohl selbst ein wenig überrascht war und mit seiner Aussage natürlich auch schon etwas auf Anfang August schielt. Dann steht in Berlin nämlich die Europameisterschaft auf dem Programm, die in dieser Saison den Höhepunkt darstellt. Dicht gefolgt vom Thumer Werfertag natürlich, der kurz darauf (17. August) möglichst viele internationale Spitzensportler ins Erzgebirge locken soll.

Für die anstehenden Herausforderungen scheint Christina Schwanitz schon jetzt bestens gerüstet zu sein. Deutlich früher also als erwartet, denn 15 Monate Wettkampfpause hinterlassen eigentlich Spuren. „Es war trotzdem schwer vorherzusagen, wie es läuft“, meint Sven Lang: „So eine Situation war ja für uns alle neu.“ Nun steht die Antwort fest: Nach der Geburt ihrer Zwillinge hat die Weltmeisterin von 2015 offenbar nichts von ihrem Potenzial eingebüßt. „Natürlich fehlen noch die Stöße“, gesteht ihr Trainer. Aber zumindest in Sachen Kraft hat die 32-Jährige seit dem Trainingsbeginn Mitte Januar offenbar viel aufgeholt. Dazu dürften auch die Trainingslager auf Zypern und in Südtirol beigetragen haben. „Was jetzt noch fehlt, sind Spritzigkeit und Schnelligkeit“, sagt Sven Lang, der die Dynamik in den Übungseinheiten erhöhen will.

Regionalmeisterschaft: Zehn Medaillen im Block-Mehrkampf und dreimal Team-Gold

Als einmalig gut bezeichnet Rolf Kohlmann das Abschneiden unserer Nachwuchssportler bei den Team-Regionalmeisterschaften in Frankenberg. Dass gleich drei der vier möglichen Titel gewonnen wurden, überraschte sogar unser erfahrenen Trainer: „So etwas wird wohl kaum noch einmal zu erreichen sein. Die akribische Vorbereitung hat sich wirklich ausgezahlt.“ Mit der Vorbereitung ist einerseits das intensive Training der Sportler gemeint. Zum anderen aber auch die akribische Rechnerei im Vorfeld. In jeder Disziplin wurde genau analysiert, wer wohl die meisten Punkte holen würde. Weil alle Sportler dann auchnoch ihr Leistungsvermögen abriefen, ging der Plan auf.

„Wir waren in der Breite sehr gut aufgestellt“, betont Rolf Kohlmann, der sich in der U 14 sowohl in der männlichen als auch in der weiblichen Konkurrenz zusammen mit den anderen Betreuern und den Sportlern über Gold freute. Im männlichen Bereich setzte dabei Christopher Arnold mit seiner Bestzeit über 800 Meter ein dickes Ausrufezeichen. Bei den Mädchen machte die zweite Vertretung der Startgemeinschaft Erzgebirge/Adelsberg mit Platz 2 sogar den Doppelsieg perfekt. In der U 12 holten die Jungen den dritten Titel, wobei der Marienberger Jerome Düringer über 50 Meter (7,34 s) einen mehr als zehn Jahre alten Vereinsrekord knackte. Auch Cedric Schmidt und Arno Börner holten alles aus sich heraus und trugen so zum Sieg bei. Obwohl es für die Mädels „nur“ zu Silber reichte, bescheinigte Kohlmann auch den U-12-Mädchen starke Resultate. Selbst Marie Bannier biss trotz einer im Trainingslager erlittenen Verletzung auf die Zähne.

Zeitgleich wurden die U-16-Regionalmeisterschaften im Block-Mehrkampf ausgetragen, die dem LV 90 zehn weitere Medaillen bescherte. Dabei ragten Larissa Stiehler und Steven Richter als Sieger im Block Wurf heraus. Letzterer brachte das Kunststück fertig, nach fünf Disziplinen die magische 3000-Punkte-Marke zu übertreffen. Neben dem weiteren Sieger Axel Sven Gerlach (Lauf) erhielt auch Helena Zietzsch ein Sonderlob von Trainer Maik Werner. „Nach langer Wettkampfpause war es für sie ein starker Einstand“, sagt der Trainer über die Vizemeisterin im Block Sprint/ Sprung.

Regionalmeisterschaft Block-Mehrkampf
W 15, Sprint/Sprung: 2. Nela Herzog (2695); Lauf: 3. Aylin Pfefferkorn (2262), 7. Trixi Weiß (2071); Wurf: 1. Larissa Stiehler (2758)
M 15, Lauf: 1. Axel Sven Gerlach (2564), 3. Max Meyer (2176); Wurf: 1. Steven Richter (3096)
W 14, Sprint/Sprung: 2. Helena Zietzsch (2508), 6. Julia Sieber (2351), 7. Liv Zoe Strohbach (2312), 10. Lara Mühlberg (2154); Wurf: 4. Claudia Lein (2133)
M 14, Lauf: 3. Max Geißler (2303); Wurf: 2. Paul Heymann (2415), 3. Jeremy Neubert (2349)

Regionalmeisterschaft Team
U 14 (m): 1. SG Erzgebirge/Adelsberg (Kramer/ Arnold/ Georgi/ Zarzycki/ Müller/ Mittag/ Tobisch/ Bauer), 5. SG Erzgebirge/Adelsberg II (Riedel/ Nüssner/ Schlömilch/ Dehne/ Stein/ Rau/ Thiel)
U 14 (w): 1. SG Erzgebirge/Adelsberg (Leichsenring/ Hübner/ Möckel/ Böhm/ Löser/ Weber/ Radtke/ Schreiter), 2. SG Erzgebirge/Adelsberg II (Tippmann/ Hillig/ Langer/ Seidel/ Bergelt/ Simm/ Schettler/ Schmidt)
U 12 (m): 1. LV 90 Erzgebirge (Düringer/ Börner/ Schmidt/ Pilz/ Leichsenring/ Hengst)
U 12 (w): 2. LV 90 Erzgebirge (Bannier/ Aurich/ Kramer/ Schürer/ Schöne/ Jähn/ Wohlgemuth/ Engelhardt)