LV 90 verabschiedet mit Petra Treppte eine langjährige Leistungsträgerin der etwas anderen Art
Die Feierlichkeiten anlässlich des 30-jährigen Bestehens des LV 90 Erzgebirge musste coronabedingt ausfallen. Eine kleine Party gab es trotzdem im Verein – allerdings aus anderem Anlass. Schließlich wurde Petra Treppte, die als „Mädchen für alles“ etwa die Hälfte der Vereinsgeschichte miterlebt und mitgeprägt hat, verabschiedet. An ihre Bestzeit über 100 Meter kann sie sich ebenso wenig erinnern wie an ihren weitesten Versuch im Kugelstoßen. Und doch ist sie eine feste Größe beim LV 90 gewesen. Während andere wie Kugelstoß-Weltmeisterin Christina Schwanitz oder Bundestrainer Sven Lang im Rampenlicht standen, erledigte Petra Treppte stets die Arbeit im Hintergrund.
Nur per Zufall sei sie damals beim Verein gelandet. „Das Arbeitsamt hat mir diese ABM-Stelle vermittelt“, berichtet die gelernte Wirtschaftskauffrau, die sich fortan um die Büroarbeit im Verein kümmerte. Sie als reine Sekretärin abzustempeln, wird der vielfältigen Tätigkeit nicht gerecht. Vom Verkauf der Würstchen bei den Wettkämpfen in Thum oder Gelenau bis hin zu Aufgaben, die denen eines Geschäftsführers gleichkommen, kennt sich die 63-Jährige mit vielem aus. „Bis aufs Training habe ich eigentlich alles gemacht“, sagt sie schmunzelnd.
Auch die Vermarktung gehörte dazu. Eine wichtige Aufgabe, zumal der inzwischen in Gelenau beheimatete Leichtathletik-Verein vor 15 Jahren noch nicht so viel Prominenz zu bieten hatte wie jetzt. „Nur vereinzelt hatten wir Spitzenathleten wie Mareike Rittweg oder Candy Bauer. Auch Sven Lang war noch kein Bundes-, sondern Landestrainer“, erinnert sich Petra Treppte. Trotzdem stellte sie schon damals regelmäßig die Broschüren zusammen, um Mitglieder, Fans und Sponsoren über das Vereinsleben auf dem Laufenden zu halten. In den vergangenen Jahren fiel ihr das wesentlich leichter. Die Erfolgsmeldungen flatterten ihr regelrecht zu. Nicht nur wegen der Elite, zu der neben Christina Schwanitz zum Beispiel auch Sprinterin Rebekka Haase und Weitspringerin Annika Gärtz gehörten, sondern auch wegen der ambitionierten Jugend. Zuletzt sorgte vor allem der Gelenauer Steven Richter mit nationalen Titeln und Weltbestleistungen für Furore. „Schön, wenn die Sportler direkt aus der Region kommen“, freut sich Petra Treppte, die selbst im Burkhardtsdorfer Ortsteil Eibenberg wohnt.
„Der Verein ist immer weiter gewachsen“, sagt die 63-Jährige, die neben der Zahl der Mitglieder vor allem die der Bundeskader meint. Quantität und Qualität sieht sie beim LV 90 vereint, auch wenn das ihr immer mehr Arbeit verschaffte. Im mitunter auch grauen Alltag voller Abrechnungen, Startformulare und Fördermittelanträge stellte der Werfertag stets den Höhepunkt des Jahres dar. Viele Weltstars der Leichtathletik lernte sie dabei persönlich kennen. „Das waren die schönsten Erlebnisse“, sagt Petra Treppte, die ebenso den 25. Vereinsgeburtstag als unvergesslich bezeichnet. Dementsprechend hatte sich die 63-Jährige nun auf das Jubiläum anlässlich des 30-jährigen Bestehens gefreut. Es sollte zugleich ihr Abschied sein, fiel wegen Corona aber aus.
Und so ging das Mädchen für alles, wie es sonst auch immer agiert hatte: eher leise und fast unbemerkt. Immerhin kam bei der kleinen Party heraus, dass sie durchaus auch sportlich das Zeug für eine Karriere beim LV 90 gehabt hätte: „Ich war eine gute Crossläuferin, musste dann wegen einer Knieverletzung aber schon zeitig aufhören.“ Sie fand auf andere Weise in der Leichtathletik ihr Glück und kann sich nun auf den verdienten Ruhestand freuen. „Es war eine tolle Zeit, für die ich allen im Verein dankbar bin“, sagt Petra Treppte, die sich sicher ist, mit Bianca Maneck und Volkmar Gärtz gute Nachfolger gefunden zu haben.